Auf ihrem Debütalbum «Mints» spielt die Luzerner Band Alois verträumten Indie-Pop mit Referenzen quer durch die Genrelandschaft. Der Weg zum eigenen Sound bringt spannende Ergebnisse.

 Was haben Alois mit Bands wie Vsitor, Fridge oder East Sister gemeinsam? Nicht nur sind sie mit Red Brick Chapel auf dem gleichen Label beheimatet, auch sie stehen für elegante Popmusik, die sich an audiophile Schöngeister richtet. Und auch ein Do-it-yourself-Ethos teilen Alois mit diesen Künstlern.
 
Sänger und Gitarrist Martin Schenker gehört zu einer neuen Generation von Musikern, die handgemachte Musik elegant mit Synthie-Klängen ausstaffieren. Mittlerweile zu einem Quartett gewachsen, startete Martin Schenker Alois als Soloprojekt. Vor zwei Jahren veröffentlichte er mit «Yesterdaydream» seine erste EP. Waren darauf noch allesamt instrumentale Stücke zu finden, wagt sich der 25-Jährige auf dem neuen Album «Mints» auch ans Mikrofon.
 
Sänger hätte Dynamik der Band beeinflusst
Im Vorfeld wurde innerhalb der Band auch diskutiert, eine Sängerin oder einen Sänger als festes Mitglied in die Band zu holen. «Aber das hätte die Dynamik unserer Gruppe beeinflusst und den Charakter von Alois verändert», sagt Schenker.
 
Die Kontrolle über das eigene Schaffen ist bei Alois zentral. Die Songs auf «Mints» entstanden innerhalb von zwei Jahren im Schlafzimmer, im Bandraum und in verschiedenen Musikstudios. Abgemischt wurde das Ganze von Schlagzeuger Florian Schneider. Das Resultat fasziniert: Mal psychedelisch, jazzig-leger oder euphorisch-funkig mischen sie ihre Songs auf dem Album zu einem bunten Pop-Cocktail.
 
Ihr Sound ist zeitweise verträumt, Alois aber in die Dream-Pop-Stil-Schublade zu stecken, greift zu kurz. Denn im Gegensatz zu Vertretern dieses Genres wie Beach House oder The XX ist die Stimmung der Songs weit weniger statisch – die Grundstimmung verspielt und mit kleinen Finessen versehen: Wie im Song «Meant To Stay», wo ein eleganter Basslauf die federnden Schlagzeugbeats umgarnt, während feingliedrige Gitarren-Arpeggios darüberrieseln. Atmosphäre entsteht bei Alois nicht durch eine gute Idee, sondern aus vielen kleinen und tollen Ideen.
 
Einige Songideen stammen noch aus der Kantizeit
Nicht verwunderlich, denn die 13 Songs entstanden in einem Patchwork-Prozess. «Einige Songideen stammen noch von Songskizzen, die vor zehn Jahren entstanden sind, als ich noch an der Kanti war», sagt Schenker, stellt aber auch klar: «Für das nächste Album möchte ich aber nicht mehr in der Vergangenheit graben.» Vielmehr möchte er den Alois-Sound weiter verfeinern respektive die Charakteristiken isolieren.
 
Doch was ist der Alois-Sound? «Mein Ziel ist es, Experimentierfreudigkeit und Naivität zusammenzubringen. Aus Naivität entstehen magische Momente, die man herausfordern, aber nicht erzwingen kann», erklärt Schenker. Diese Symbiose aus beiden Welten schafft Schenker, der letztes Jahr sein Studium an der Hochschule Luzern – Musik abschloss, mit seinen Mitmusikern schon jetzt problemlos. Denn Naivität steht bei Alois für Unbekümmertheit und Experimentierfreude, ohne sich jedoch in prätentiöser Selbstgefälligkeit zu verlieren. Anders ist die Luftigkeit der sorgfältig arrangierten Songs nicht zu erklären.
 
Filmtitel inspirierte zum Bandnamen
Zum Schluss bleibt noch die Frage nach dem Bandnamen offen. Wieso Alois? «Das Schweizer Fernsehen drehte 1980 im solothurnischen Wisen, wo ich aufgewachsen bin, einen Film mit dem Titel: Faulheit oder Der hinkende Alois», antwortet Schenker. Auch wenn Schenker mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt nach Luzern verlegt hat, seine Wurzeln sind ländlicher geprägt, als es seine Musik vermuten lässt. Diese schaut nämlich weit über den Tellerrand gewohnter Pop-Hausmannskost hinaus.