Fussballmusik

Können Sie sich noch an den Schunkel-Schlager «Buenos dias Argentina» von Udo Jürgens erinnern?

Müssen Sie auch nicht, ist lange her. Das Lied war 1978 der offizielle Song der Deutschen Nationalmannschaft anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft in Argentinien. Und wie alle diese von den Verbänden aufgedrängten Fussball-Songs hatte auch dieses Lied eine Halbwertszeit von einem halben Som- mer. Faszinierend ist jedoch der Umstand, dass damals die Fussballspieler noch genötigt werden konnten, solche WM- Songs einzusingen. Und dass wir zuschauen durften, wie sie apathisch mitmurmelten, während in ihren Gesichtern abzulesen war, dass sie nicht genau wissen, in welchem Film sie sich gerade befinden.
Sich über die Qualität dieses Liedes zu mokieren, ist eigentlich nicht der Rede wert – wäre in Argentinien zu dieser Zeit nicht eine Militärdiktatur an der Macht gewesen. Im Wissen, dass dieses Regime während dieser Zeit Tausende Menschen umbringen und verschwinden liess, sind Zeilen wie diese an Zynismus kaum zu überbieten: «Buenos dias Argentina! Guten Tag, du fremdes Land. Buenos dias Argentina! Komm wir reichen uns die Hand.» Als Aussen- verteidiger Berti Vogts während der WM von einem Journalisten zur politischen Lage in Argentinien befragt wurde, antwortete dieser entnervt: «Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.»

Heute wäre es undenkbar, dass ein Land mit einer Militärdiktatur an der Macht eine Weltmeisterschaft austragen dürfte. Russland, das die WM nächstes Jahr austragen wird, ist ja nicht nur eine Demokratie, sondern eine «lupenreine Demokratie», wie uns Gerhard Schröder einst erklärte. Und Abwechslung muss sein: Mit Qatar ist dann 2022 eine lupenreine Monarchie an der Reihe.

Was sich aber nie ändert: Die Stimmungskanonen aus den Marketingabteilungen werden uns auch da wieder mit billi- gen Multi-Kulti-Parolen eindecken. Ganz nach dem Motto: «Make the World to a bötter Place». Oder um es in der Spra- che von Latino-Füdli Shakira auszudrücken: «Waka Wa- ka» / «La La La». Sodann, geniessen wir dieses Jahr ohne WM und Affentheater. Echte Leidenschaft findet man nach wie vor auf dem Bolzplatz – bei Grümpelturnieren wie dem Kick’n’Rush, das am 9. und 10. Juli auf dem Tribschen- Fussballplatz wieder für Blut und Schweiss sorgen wird.

(Musikkolumne aus der Juli-Ausgabe von «041 – Das Kulturmagazin»)