Sie kamen, tobten und – verstummten. Doch der Klang von NÀDA sollte noch lange nachhallen. Bis heute: Mit ihrem Gebräu aus Metal und Industrial legte sich die Luzerner Band nachhaltig ins Gedächtnis aufgeschlossener Metal-Hörer, national wie international.

Pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum der Band Ende 2017 entsteht mit III nun das dritte Album. Als Resident-Act im Südpol Luzern wird dieses von den beiden Stamm-Mitglieder Remo Soland und Patric Gehrig gemeinsam mit Mitmusiker_innen erarbeitet.

Als im Herbst 1992 Remo Soland, Patric Gehrig, Martin Baumann, Roman Felder und Adrian Peter das Projekt NÀDA ins Leben riefen, beherrschte einzig Gitarrist Baumann sein Instrument. Patric Gehrig etwa übernahm die Rolle des Bassisten, weil das niemand anderes machen wollte. Dabei spielte er statt elegante Bass-Läufe kernige Drones.Mit ihrer jugendlichen Unbekümmertheit setzte NÀDA Energien frei, die zu einem herben Gebräu aus Metal, Industrial und Ritual-Musik führte.

Bereits mit ihrem Debutalbum Cel-Metra, das sie 1993 im Schweinesound Studio im Sedel aufnahmen, errangen sie überregionale Bekanntheit. Im Jahr darauf verhalf ihnen Thomas Mölch zu einem Plattenvertrag mit dem deutschen Label Common Cause. Mölch war als Teilhaber von Off The Disc Records und Herausgeber diverser Fanzines bestens in der HC-Szene vernetzt. Das Label aus Schwäbisch Gmünd, das auf Doom-Metal und Hardcore spezialisiert war, wollte dann sogleich was für den deutschen Markt nachlegen. So wurde das Debut nochmals als CD veröffentlicht. Kurz darauf verliess Gitarrist Martin Baumann die Band; für ihn bewegte sich die Band in eine falsche Richtung – weg vom einstigen Punk-Ethos. Als Ersatz kam Philipp Käser, wodurch der Sound von NÀDA rockiger, geradliniger und eingängiger wurde.

Der neue Kurs missfiel Gehrig und Soland, aber es war zu spät um Gegensteuer zu geben. Schon bei den Aufnahmen für das zweite Album Ur war Patric Gehrig klar, dass er aussteigen würde. Und das obwohl eine Tour als Support von Neurosis winkte. So löste sich die Band 1997 auf.

Die Auferstehung

Als der Sedel 2011 sein 30-järiges Jubiläum plante, formierte sich NÀDA erneut. Für ein Konzert am Jesuitenplatz versammelte Remo Soland und Patric Gehrig drei Musiker um sich: Roman Felder, Samuel Savenberg und Gil Schneider. Als Mitglieder von Seed Of Pain zählten Savenberg und Schneider zu einer neuen Musikergeneration, die mit ihrer Band nicht zuletzt das musikalische Erbe von NÀDA weitertrugen. Die Performance, die NÀDA an diesem Tag präsentierten, griff indes auf eine Proberaum-Aufnahme von 1992 zurück («KOMA»), der eine Neukomposition («AMOK») entgegengesetzt wurde. Die beiden Stücke wurden im Juni 2011 als eine auf 30 Stück limitierte Vinyl 10“ veröffentlicht sowie als Download angeboten. Beide Songs orientierten in ihrer kantigen Eindringlichkeit wieder am Sound der Anfangstage von NÀDA.

 

Die Dreifaltigkeit

20 Jahre nach dem letzten Release und pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum der Band, soll im Herbst/Winter 2017 das dritte NÀDA Album erscheinen: Ein Konzeptalbum in der die Ziffer im Albumname III nicht nur für die dritte Inkarnation des Projekts NÀDA steht, sondern auch das thematische Fundament andeutet, der Trinitätsgedanke: Geburt, Leben und Tod oder auch Körper, Geist und Seele. Grundlage für die neuen Kompositionen bilden Fieldrecordings. Die Instrumentierung bleibt im Kern gleich: Bass, Metallperkussion und Schlagzeug sorgen für das Rhythmusfundament, ergänzt mit Gitarre und Electronica/Samples sowie erweitert um Bläser und Streicher.

Remo Soland und Patrik Gehrig beteuerten immer wieder, dass es sich bei NÀDA um ein Projekt handelt. «Wir wollen nicht einmal in der Woche proben, die Platte aufnehmen und dann auf Tour gehen. Unser Projekt verfolgt einen Zeitplan innerhalb eines begrenzten Zeithorizontes», sagt Gehrig. Die Jugendliche Unbekümmertheit ist Vergangenheit, doch die Wut im Bauch ist geblieben. Es muss «nagen», wie es Gehrig ausdrückt, um die alten Geister wieder heraufzubeschwören. Denn NÀDA erschaffen Musik, die sich kompromisslos in die Gehörgänge martert – gestern, vorgestern und auch in Zukunft.