Er ist Blogger, Texter, Musiker, Labelbetreiber und neuerdings auch Booker: Mirko Schwab kuratiert im ISC die erste Blaublau Records Labelnight.

In der Luft schwebt der Geruch von kaltem Rauch. Mirko Schwab sitzt an einem runden Tischchen im Billardraum im ersten Stock der Beiz Drei Eidgenossen. Mit routinierten Handbewegungen dreht der 23-Jährige eine gleichförmig dünne Zigarette, die von einer Industriezigarette kaum zu unterscheiden ist. Seine Augenlider hängen tief. Montagsblues? «Nein, für mich ist der Montag ein Tag wie jeder andere. Aber manchmal ziehen mich die Leute runter, indem sie ihren Montagsblues auf mich übertragen.»

Er nennt sich selber den Jungspund im Booking-Team vom ISC. In dieser Rolle möchte Schwab Anlässe organisieren, die ein jüngeres Publikum ansprechen. An der Label Night sollen die Grenzen zwischen Konzert und Rave verwischen. «Viele Leute, die am Donnerstagabend in den Ausgang gehen, sind bereits in Wochenendstimmung, möchten aber trotzdem noch ein Konzert geniessen», sagt er.

Das Berliner Trio Komfortrauschen ist die musikalische Manifestation dieses Konzeptes: Es macht Minimal-Techno mit Gitarre, Bass und Schlagzeug und einem Satz Effektgeräte. Das ist handgemachte, ultrapräzise Technomusik, die ohne den Live-Moment nicht von digital generierter Musik zu unterscheiden ist. Ein Glücksgriff für das noch junge Label Blaublau Records, das für Komfortrauschen drei Konzerte in der Schweiz organisiert hat. Das Label hat Schwab im Frühling zusammen mit David Jegerlehner gegründet. Letzterer ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dave Eleanor.

Dave Eleanor Livesession mit Mirko Schwab

Sein Electro-Pop-Projekt ist auch das Aushängeschild des Labels. Im November erscheint das Debütalbum «Monologues», gefolgt von einer Tournee durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Schwab wird nicht nur im Hintergrund die Strippen ziehen, sondern Dave Eleanor auf der Bühne als Schlagzeuger an den Drum-Pads ­begleiten.

Strippenzieher am Schlagzeug

Auch als Musiker kennt Schwab keine Scheuklappen. Neben Dave Eleanor spielt der Berner Schlagzeug bei der Indie­rock Band I Made You a Tape und bei Frutti di Mare, einem Trio, das bittersüssen Balkansound auf die Bretter stampft. Schlagzeug zu spielen begann Schwab mit acht Jahren. Zusammen mit seinem Musiklehrer, der aus der freien Impro-Szene kam, jamte er oft und übte nur selten nach Noten: «Das hat mir ­einige technische Defizite beschert, dafür konnte ich immer ohne Hemmungen spielen, da es kein richtig oder falsch gab.» Das eine Semester, das er nach dem Gymnasium an der Jazzschule in Bern absolvierte, verkam zur «Stipp­visite»: «Ich war damals orientierungslos.» Es folgte ein Studium der Germanistik in Bern, das er nach eineinhalb Jahren wieder hinschmiss. Er hatte in der Zwischenzeit Jegerlehner kennen ­gelernt. Die vielen Projekte, die durch diese Freundschaft möglich wurden, liessen den Reiz, eine akademische Karriere einzuschlagen, verblassen.

Das Wort Projekt fällt oft, wenn Schwab über seine Arbeit spricht. Als Vollblutmusiker sieht sich Schwab nicht. Er ist ein Freund grosser Zusammenhänge: «Mir wird es langweilig, wenn ich nur Musik mache und die restliche Arbeit bis zum fertigen Album anderen Leuten übergebe», sagt Schwab und schaut zur Seite, wie er es oft tut, wenn er seine Gedanken sammelt, und fügt hinzu: «Ich möchte von Anfang bis zum Schluss am Prozess teilhaben und ihn verstehen.»

Die Grenzen zwischen Job und Hobby, Broterwerb und Selbstverwirklichung sind bei Schwab fliessend. «Ich führe ein Patchwork-Leben», sagt er. Neben der Musik und der Labelarbeit hat der Kreativ-Allrounder weitere Standbeine aufgebaut: Er schreibt seit Juni für den «Bund»-Blog «KulturStattBern» und arbeitet als Texter bei einer Eventmanagement-Agentur. Der Kultur-Freigeist bringt alles unter einen Hut und lässt sich von existenziellen Ängsten nicht aus der Ruhe bringen. Probleme hätte er eher, wenn die Projekte ausblieben.

ISC, Donnerstag, 13. Oktober, 20.30 Uhr.

(Der Artikel erschien in “Der Bund”)