Global-Bass-Musik trifft auf elektroiden Hip-Hop: Skip & Die und Yawl kommen in die Dampfzentrale.

«Bald lagen sich wildfremde Menschen in den Armen, bald wurden Freudentränen vergossen, und am Schluss des Konzerts taumelten euphorisierte Konzertbesucher mit einem Dauerstrahlen über das Gelände.» Das schrieb der «Bund» nach dem Konzert von Skip & Die am Bad Bonn Festival 2013. Es war die Überraschung des Tages: Stand doch am Anfang des Konzerts noch ein Pulk aus durchnässten und erschöpften Festivalbesuchern vor der Bühne. Seither gastiert die Band um die südafrikanische Sängerin Cata.Pirata und den holländischen Musiker und Produzenten Jori Collignon jährlich in Bern.

Und sie kann es sich sogar erlauben, auch ohne aktuelles Album auf Tour zu gehen, ihr Ruf als fulminanter Live-Act macht es möglich. Ihr Zweitling «Cos Serpents» erschien vor einem Jahr, und im Vergleich zu ihrem Debütalbum «Riots in the Jungle» von 2012 hat sich der Sound nicht gross verändert. Musikstile aus aller Welt treffen sich zum heiteren Miteinander: Afrikanischer Kuduro flirtet mit brasilianischem Baile-Funk, der ägyptischen Shaabi-Pop umarmt. Unterlegt wird dieses Potpourri dann mit hypnotisch vibrierenden Rhythmen und Basslinien, die aus den ganz tiefen Frequenzen emporbrummen und zu einer Art Global-Bass-Musik verschmelzen.

Über den Atlantik kabeln

Während Skip & Die den musikalischen Austausch zwischen Nord und Süd betreiben, bewegt sich der Hip-Hop von Yawl in die entgegengesetzte Richtung. Yawl sind der Rapper Ancient Mith aus Denver und der Augsburger Beatbastler Dot. Beides Exponenten aus dem Hip-Hop-Underground, dies im wahrsten Sinne, denn auch im Internet haben sie bisher nicht viele Spuren hinterlassen. Dafür in der hiesigen Szene.

Vor fünf Jahren haben sich die beiden kennen gelernt, als Ancient Mith in Mün eine Show spielte. Zwei Jahre später machten sie eine sechswöchige Tour mit 35 Konzerten in sechs Ländern. So verschmolzen sie nach und nach zum Duo Yawl: Ancient Mith, der melancholische Quergeist mit den introspektiven Lyrics, und Dot, der Beatbastler aus der Provinz, der ein Händchen für düstere Beats hat. Seither glühen die Drähte über den Atlantik. Dot schickt Ancient Mith seine Beats, und der schickt Dot erste Entwürfe für Vocals. «So ging es fast ein Jahr hin und her, in dem wir uns quasi täglich austauschten», sagt Dot. Am Ende mischte er alle Files in seinem Studio ab. Daraus entstand das Album «A Pile to Keep, A Pile to Burn», das letzten Monat erschien.

Darauf sind Songs, die sich nur weniger Hip-Hop-Klischees bedienen. Wenn Ancient Mith rappt, hadert er, und wenn er mal einen Refrain singt, zerbröseln die Worte fast unter seiner windschiefen Stimme. Die assoziativen Bilder, die Ancient Mith hinaufbeschwört, werden von Dot mit elektroiden Beats kongenial ummantelt. Auch hat er keine Skrupel, in die Herzschmerz-Kiste zu greifen, wie im Stück «WHOA», wo nur ein paar süsse Pianoakkorde über das Stück tröpfeln, als sässe Richard Clayderman am Klavier. Das ist definitiv kein Hip-Hop für BMW-Fahrer. Aber für Hörer, die den Indie-Ethos hochhalten und Texte ohne Macho-Allüren schätzen.

Ein Höllenritt

In Zukunft soll die Zusammenarbeit nicht mehr nur virtuell stattfinden. «Für das nächste Album planen wir, alle Songs bei mir aufzunehmen», sagt Dot. Auch wenn das durch die räumliche Distanz etwas schwierig ist und man die gemeinsame Zeit lieber für Konzerte nutzt. Derzeit widmet sich Dot der Tourvorbereitung.

Live: Dampfzentrale Freitag, 17. Juni, 21 Uhr.