Der Produzent Marcel Schneider hat ein eigenes Mischpult gebaut. Dieses steht am Freitag im Dachstock im Einsatz. Hier ein Interview mit dem umtriebigen Berner Tüftler

Wie kommt man auf die Idee, selber ein Mischpult zu bauen?

Ich wollte mir ein hochwertiges Analog-Mischpult zulegen, und mein Interesse dafür entwickelte sich so weit, dass ich mir vor drei Jahren selber einen Prototyp gebaut habe. Doch eine Serienfertigung konnte ich damals alleine nicht stemmen. Dann traf ich Simon Schär, einen ausgebildeten Polymechaniker, der wie ich ein leidenschaftlicher Tüftler ist. Letzten Herbst haben wir uns entschlossen, das Mischpult weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen.

Aus dem Prototyp ist das Modell RDM20 geworden, das 2190 Franken kostet. Das ist ein stolzer Preis.

Wir stecken viel Handarbeit in die Herstellung. Bis jetzt haben wir zehn Exemplare produziert und dafür je 20 Stunden Montagezeit investiert. Hinzu kommen Kosten für die Beschaffung der Einzelteile, Design, Marketing usw. Da wir kleine Stückzahlen herstellen, haben wir hohe Materialkosten. Die Gehäuse lassen wir beispielsweise bei einer Blechverarbeitungsfirma in Burgdorf herstellen.

Was für Leute kaufen Ihre Mischpulte?

In erster Linie Musikliebhaber, die hohen Wert auf Qualität legen. Unsere Mischpulte wollen wir auch in zwanzig Jahren noch flicken können. Oder auch Design-affine Leute, die ihre Plattensammlung über ein Gerät hören wollen, das eine hohe Klangqualität bietet.

Muss es dann gleich ein High-End-Gerät sein?

Es bringt nichts, ein High-End-Mischpult anzuschaffen, wenn man die Musik über schlechte Boxen laufen lässt. Die Signalkette sollte stringent sein. Es ist wie bei einer Reihe Gläser, die hintereinander aufgestellt sind: Wenn eines schmutzig ist, dringt nicht mehr so viel Licht durch.

Das Mischpult besitzt keine Fader, sondern Drehknöpfe. Kommt das gut an bei den DJs?

Es ist eine Frage der DJ-Philosophie, ob man Fader oder Drehregler bevorzugt. Technische Unterschiede gibt es dabei nicht, die Haptik ist aber eine andere. Beim Mischen mit Drehreglern ist der DJ viel mehr gefordert, hinzuhören, was im Raum passiert. Denn das Anpassen der Lautstärke des nächsten Tracks ist erst im Moment der Mischung möglich. Das hat zur Folge, dass DJs längere Mixes machen und den ganzen Prozess entschleunigen. Letztendlich klingen diese DJ-Sets dynamischer und entsprechen mehr der Stimmung der Tracks.

Mit dem Synthesisten-Quintett werden Sie mit elektronischen Instrumenten und Geräten eine Live-Performance im Dachstock machen. Wie wird das klingen?

Wir haben im Vorfeld nicht geprobt und bis jetzt nur abgesprochen, wer welche Instrumente mitbringt. Man kann es vergleichen mit einer Band, die eine Jamsession macht: Jeder bringt seine Instrumente mit, bei uns sind das Synthesizer, Drum-Computer und Sampler, und dann wird improvisiert. Und wie bei jedem Livekonzert haben wir einen Tontechniker im Saal, der für einen ausgewogenen Sound sorgen wird. Ähnlich wie ein Dirigent wird er einige Spuren betonen und andere in den Hintergrund mischen.

Als DJ haben Sie eine längere Pause eingelegt.

Ja, aber ich möchte in Zukunft wieder vermehrt als Beats on Demand hinter den Reglern stehen, denn ich möchte den Leuten auch zeigen, wie das Mischpult im Club klingt.

Zur Person

Marcel Schneider ist nicht nur DJ (Beats on Demand) und Produzent (Mødular), sondern auch ein Elektronik-Tüftler. Der 28-Jährige hat zusammen mit einem Freund Varia Instruments gegründet und ein hochwertiges Analog-Mischpult entwickelt, das wunderbar schlicht und funktional daherkommt wie ein Trafo von Märklin. Wie das klingt, kann man am Fr, 10. Juni, ab 23 Uhr an der Midilux-Nacht im Dachstock der Reitschule begutachten, wenn Berner DJs wie Fabien oder Dave Canina damit auflegen. Der Höhepunkt wird aber der Auftritt des Synthesisten-Quintetts sein (bei dem auch Marcel Schneider mitspielt), die pulsierenden House-Sound live performen werden.