Schneller, höher, weiter heisst die Devise, wenn Acts wie David Guetta, Avicii oder Deadmaus mit viel Getöse grosse Hallen beschallen. Entschleunigt, fokussiert, redimensioniert klingt es, wenn Lee Gamble seine Auffassung von elektronischer Tanzmusik vorlegt.

Der Produzent aus Birmingham, der mittlerweile in London lebt, gilt momentan als einer der innovativsten Vertreter elektronischer Musik zwischen Dancefloor und Experiment. Diesen Ruf hat er seiner künstlerischen Blaupause «Diversions 1994–1996» von 2012 zu verdanken, wo er Tracks von alten Jungle-Mixtapes in ihre Einzelbestandteile zerlegte, bis nur noch eine Ahnung von Jungle übrigblieb. Diese Art «Metarave» hat Gamble seither mit Elementen aus Experimental Electronic, Techno und Ambient weiterveredelt. Veröffentlicht hat er seine Werke jeweils auf dem Berliner PAN-Label, das eine Vielzahl von Avantgarde-Klangtüftlern wie Visionist, Helm oder Mark Fell beheimatet. Seine aktuelle EP «The Chain Kinematics» ist diesen Monat auf seinem eigenen Label UIQ erschienen.

Auf den vier Tracks schielt er wieder mehr Richtung Dancefloor, nimmt man den Beat als Tanzfaktor. Die dumpfen 4/4-Beats hämmern in Detroit-Techno-Manier durch die Tracks – monoton, kalt und apathisch. Es sind Beats ohne Bassline – degradiert zur reinen Taktmaschine, die Hi-Hats in den Hintergrund verbannt. Aber dazwischen brodelt es: Hier ein Halleffekt, da ein übersteuerter Bassschlag, dort ein verhuschtes Rauschen. Das ist Techno für Nachtaktive, die auf der Tanzfläche nicht dem Hedonismus verfallen wollen, sondern daran erinnert werden möchten, dass Euphorie und Trübsal nahe beieinanderliegen.