Theo Metzler, Jovan Nabo und Hanspeter Brauchle, so heissen die bekannten Charaktere aus dem humoristischen Figurenkabinett des 65-jährigen Kabarettisten Joachim Rittmeyer. Diese tauchen auch in seinem 20. Bühnenprogramm «Bleibsel» auf, das die Frage behandelt: Warum Kultur? Doch das ist nur der Rahmen, in welchem Rittmeyer detailverliebt und wortgewandt die kleinen Dinge des Alltags unter die Lupe nimmt. Und nicht selten erkennt sich der Zuschauer unter dieser Lupe selber wieder.

Sie haben in den 80er-Jahren selber Tischspiele entwickelt und sind immer noch ein passionierter Spieler. Vor kurzem feierten Sie Geburtstag und luden Ihre Gäste zu einem Spieletag zu sich nach Hause ein. Und, wie wars?

Es war toll, wir haben fast den ganzen Tag durchgespielt. Ich habe es den Gästen vorgängig angekündigt, um sie darauf einzustellen.

Haben nicht alle Gäste Ihre Leidenschaft für Gesellschaftsspiele geteilt?

Es ist ähnlich wie beim Singen: Hat man in der Jugend schlechte Erfahrungen gemacht, bauen sich Hemmungen auf. Aber wenns dann drauf ankommt, wird man durch die anderen zum Mitsingen bzw. -spielen animiert.

Ein Spielverlauf ist nicht vorhersehbar. Nach über vierzig Jahren auf der Bühne: Wie machen Sie es, dass Sie sich künstlerisch nicht wiederholen?

Das ist wirklich ein Thema, das mich beschäftigt, darum habe ich einen künstlerischen Berater, der mir auf die Finger schaut. Es gibt gewisse Figuren, die ich seit Jahren auf der Bühne spiele, aber ich setze sie immer wieder in einen neuen Zusammenhang – als würde ich Grundakkorde neu kombinieren.

Ihr 20. Soloprogramm heisst «Bleibsel». Wenn Sie die heutige Schweizer Comedyszene betrachten, sehen Sie sich als (Über-)Bleibsel einer vergangenen Kabarett-Tradition?

Ich mache einfach mein Ding und achte weniger darauf, wie ich nach aussen wirke. Ich nehme die Tendenz zu schnelllebigem Comedy-Humor wahr, das hat mich aber nie interessiert. Es gibt genug Menschen, die meine Kunst schätzen, daher stelle ich mir solche Fragen gar nicht.

In den 90er-Jahren haben Sie mit der Sendung «Übrigens» im Schweizer Fernsehen den Schritt zu einem grösseren Publikum gemacht. Haben Sie keine Lust mehr, Fernsehen zu machen?

Die filmischen Möglichkeiten haben mich immer interessiert. Aber es müsste ein Rahmen sein, der für mich passt. Ein Satireformat à la «Giaccobo/Müller» ist vor allem der Tagespolitik verpflichtet und saugt zudem viele Ressourcen ab. Tja, hängt mal eine grosse Lampe an der Decke, hält man den Raum eben für genug ausgeleuchtet.

Wie muss man sich den Tagesablauf eines Kabarettisten vorstellen? Haben Sie eine fixe Arbeitsstruktur?

An Auftrittstagen achte ich darauf, tagsüber nicht allzu viel Energie zu verbrennen, im Wissen, dass abends mein Brennpunkt wartet. Am intensivsten ist natürlich die Zeit direkt vor der Premiere, da arbeite ich mehr, als ich schlafe: Endschliff der Texte, Einprägung derselben, Besprechungen mit der Technik usw. Die Premiere bedeutet dann eine Riesenerleichterung.

An Ihrem Spieletag haben Sie Ihren 65. Geburtstag gefeiert und haben damit das sogenannte AHV-Alter erreicht. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, etwas kürzerzutreten?

Momentan nicht, aber falls ich beim nächsten Bühnenstück merke, dass Lust oder Kraft schwinden, dann kann ich mir vorstellen, etwas kürzerzutreten. Mein beruflicher Übergang vom Lehrer zum Kabarettisten war fliessend, und auch der Wechsel in den Ruhestand wird fliessend sein. Von einem Tag auf den anderen mit der Arbeit aufzuhören, das wäre nicht meine Art.