Mit «Thank God It’s Monday» machen Emm und Kackmusikk eine Ansage: Wir gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Und durchforsten in einer elektrisierenden Produktion die Lebenswelt einer Generation, die in einem Vakuum aus Selbstverwirklichung und Orientierungslosigkeit steckt.

Für viele Freizeit-MusikerInnen stellt das Ende des Studiums oder die Gründung einer Familie eine Zäsur dar; Musik spielt nicht mehr die erste Geige im Leben. Nicht so bei Emm und Kackmusikk. Beide anfang Dreissig, denken gar nicht daran, einen Gang runter zu schalten. Emm mischt schon seit über zehn Jahren in der Schweizer Hip-Hop-Szene mit, während sich Kackmusikk einen Namen als Electronica-Produzent machte. Nach zwei EP’s folgt nun mit «Thank God It’s Monday» ihr Debutalbum. Darin erzählen sie vom Leben über 30-Jähriger mit gutem Job und (noch) zu viel Nachtaktivität.

Eine Rechnung offen

In beruflicher Hinsicht steht Mario Wälti alias Emm , der als Jurist in Zürich arbeitet, mit beiden Beinen im Leben. Doch als Rapper hat er noch eine Rechnung offen: Er will Ernst genommen werden. Denn mit Mimiks, LCone oder Marash (alle drei übrigens im Track «2042» auf dem Album vertreten) hat sich eine neue Generation von Luzerner Rappern formiert. Emm dazu: «Ich gehöre zur alten Garde im Luzerner Hip-Hop-Kuchen, aber ich spiele immer noch in der obersten Liga mit.». Er vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass Raphael Spiess alias Kackmusikk die zeitgenössischen Beats produziert, auf denen er sich austoben kann. Die beiden ergänzen sich perfekt. Emm weiss, dass er ohne einen profilierten Prodzenten wie Kackmusikk, die Schweizer Hip-Hop-Szene nicht aufmischen kann. Und Spiess, der in der Vergangenheit vor allem Club-Tracks produzierte, profitiert von den Lyrics, die Wälti beisteuert – sie fügen seinen Produktionen emotionale Tiefe hinzu.

Vorbei die Zeiten als Emm mit der Rap-Hymne «Ei Stadt i de Schwiiz», einen selbstbewussten Lokalpatriotismus anpries, der ihn über die Hip-Hop Szene hinaus bekannt machte. Auf «Los Angeles» rappt er: «jetzt sitz ich immer no i dem Provinznäscht/will das LU isch so en chlini Stadt/ich fühl mich wie i mim Innehof/Es isch sid Jahre glich». Der Track thematisiert die Wunschvorstellung von einem Tag auf den anderen abzuhauen. Die ganze Welt steht dir offen, was machst du dann noch hier? Die Hassliebe zu Luzern ist die Ausrede. «Eskapismus ist ein zentrales Thema auf dem Album» meint Spiess, «aber immer mit Rückflugticket», fügt Wälti hinzu.

Ohne Vorurteile

Auf zwei Tracks sind mit Muriel Rhyner von den Delilahs und Damian Lynn Künstler vertreten, die aus der Rock/Pop-Ecke kommen. Das war ein bewusster Entscheid, denn Emm und Kackmusikk wollen «den Rahmen von Hip Hop sprengen, musikalisch, aber auch textlich». Für beide ist es darum ein zentrales Anliegen, dass das Album vorurteilsfrei über die Hip-Hop-Szene hinaus wahrgenommen wird. Das wäre ihnen zu wünschen, denn mit «Thank God It’s Monday» ist den beiden formal und inhaltlich ein grosser Wurf gelungen. Und widerlegt folgende Zeile aus dem Track «Pitbull»: «Ufgwachse immene Land voller Durchschnitt/drunder daffsch nid/drüber packsch’s nid». Die beiden haben es gepackt.

Emm & Kackmusikk, Thank God It’s Monday , erscheint am 17. April